Unsere Umweltgruppe und die Wildkatzen

Unsere Umweltgruppe startet in diesem Jahr ein ganz besonderes Naturschutzprojekt: Im Rahmen des Lockstock-Monitorings 2026 untersuchen die Jugendlichen, ob sich die Europäische Wildkatze im Landkreis Kronach wieder angesiedelt hat. Initiiert wurde das Projekt von Christine Neubauer vom Bund Naturschutz, die sich an Lehrerin Andrea Wittmann und ihre Umweltgruppe gewandt hatte. Gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern der Bayerischen Staatsforsten, der WBV und Wildkatzenexpertin Anke Kramphausen erhielten die Schülerinnen und Schüler zu Beginn einen fachkundigen Einführungsvortrag.

Gleich zu Beginn erfuhren die Schülerinnen und Schüler, wie schwierig es ist, Wildkatzen von Hauskatzen zu unterscheiden. Zwar besitzt die Wildkatze typische Merkmale – etwa einen buschigen Schwanz mit klar abgegrenzten dunklen Ringen sowie ein besonders dichtes Fell –, dennoch sind Verwechslungen häufig. Besonders wichtig ist daher ein Hinweis, der den Jugendlichen eindrücklich mitgegeben wurde: Junge Katzen, die im Wald gefunden werden, dürfen nicht mitgenommen und beispielsweise ins Tierheim gebracht werden. Auch wenn sie wie „getigerte Hauskätzchen“ aussehen, handelt es sich oft um Wildkatzenjungtiere, deren Mutter lediglich auf Nahrungssuche ist.

Die Europäische Wildkatze meidet Menschen und braucht große, zusammenhängende Laub- und Mischwälder, um überleben zu können. Ihre speziellen Lebensraumansprüche machen sie zu einer sogenannten Schirmart: Wird ihr Lebensraum erhalten oder verbessert, profitieren auch viele andere Tiere davon – zum Beispiel Fledermäuse, Feuersalamander und weitere seltene Arten.
Beliebt ist die Wildkatze dennoch: Viele Menschen haben selbst eine Hauskatze, was das Verständnis für den Schutz der Art erleichtert.

Im Vortrag ging es auch um die Gefahren, denen Wildkatzen heute ausgesetzt sind. Dazu zählen vor allem Verwechslung mit Hauskatzen, der Straßenverkehr und die Zerschneidung der Landschaft durch Wege, Felder und Siedlungen.

Bis etwa 1940 galt die Wildkatze in Bayern sogar als ausgestorben. Erst durch gezielte Schutzmaßnahmen und Renaturierungsprojekte konnten sich wieder kleine Populationen ansiedeln. Der Bund Naturschutz arbeitet seit Jahren daran, Wälder durch Hecken, Strauchstreifen und Grünverbindungen besser zu vernetzen, damit Wildkatzen wieder Wanderwege zwischen geeigneten Lebensräumen finden. Herzstück des Projekts ist die wissenschaftliche Inventur der Wildkatze mithilfe der Lockstockmethode. Dabei bringt die Umweltgruppe des KZG in ihrem Gebiet – rund um Kronach Waldbuch – spezielle Holzstöcke im Wald aus. Diese werden zum Beispiel mit Baldrian besprüht, der Katzen magisch anzieht. Streichen Wildkatzen daran vorbei, bleiben Haare haften.

Über einen Zeitraum von zehn Wochen kontrollieren die Schülerinnen und Schüler die Lockstöcke wöchentlich, sammeln Haare ein und dokumentieren die Lage. Die Proben werden anschließend im Labor genetisch untersucht. Dabei sollen wichtige Fragen geklärt werden: Wie viele Wildkatzen leben im Landkreis? Vermischen sie sich mit Hauskatzen? Wie sind die Tiere miteinander verwandt? Gibt es bereits stabile Familiengruppen?

Für Lehrerin Andrea Wittmann ist das Projekt ein Glücksfall: „Wir möchten unseren Schülerinnen und Schülern zeigen, wie spannend und bedeutsam Naturschutz vor der eigenen Haustür sein kann. Das Monitoring bietet echte Forschung zum Anfassen – und die Kinder merken, dass sie einen Beitrag leisten können.“

Wenn alles gut läuft, könnte das Kaspar-Zeuß-Gymnasium 2026 sogar nachweisen, dass Wildkatzen wieder im Landkreis Kronach angekommen sind. Ein Erfolg, der weit über den Unterricht hinausreicht.

Verena Zeuß