Wie schwierig ist es, in internationalen Krisen gemeinsame Lösungen zu finden? Dieser Frage gingen die Schülerinnen und Schüler unseres Kaspar-Zeuß-Gymnasiums bei einem spannenden Konfliktplanspiel unter der Leitung des Jugendoffiziers der Bundeswehr, Dhany Sahm, nach. Die Klasse versetzte sich in die Zeit des Syrien-Konflikts im Jahr 2014.
Zu Beginn wurden die verschiedenen Rollen ausgelost. Die Teilnehmenden vertraten dabei u. a. die Interessen der USA, Großbritanniens, des Iran, des Irak und Saudi-Arabiens. Darüber hinaus übernahmen einzelne Schülerinnen und Schüler die Rollen der Weltpresse, von Amnesty International sowie des Generalsekretärs der Vereinten Nationen.
In einer intensiven Einarbeitungsphase machten sich die Delegationen mit den politischen Zielen, Interessen und Herausforderungen ihrer jeweiligen Akteure vertraut. Anschließend begann die erste Generalversammlung der Vereinten Nationen. Dort stellten die Vertreterinnen und Vertreter ihre Regionen vor und erläuterten ihre Standpunkte zur Bedrohung durch den sogenannten „Islamischen Staat“ (IS) sowie zur Rolle des syrischen Machthabers Baschar al-Assad im syrischen Bürgerkrieg.
In den folgenden Verhandlungsrunden berieten die einzelnen Staaten zunächst untereinander, suchten nach Verbündeten und versuchten, gemeinsame Positionen zu entwickeln. Zurück in der Generalversammlung wurden die Ergebnisse vorgestellt, diskutiert und weiter ausgearbeitet. Schnell zeigte sich, dass unterschiedliche Interessen und politische Ziele die Suche nach einer gemeinsamen Lösung erschweren.
Schließlich gelang es den Delegationen jedoch, im Sicherheitsrat eine Resolution zu verabschieden: Die Bildung einer Anti-IS-Koalition wurde einstimmig beschlossen. Dabei einigten sich die Vertreterinnen und Vertreter auf klare Vorgaben. Die militärische Intervention sollte ausschließlich mit Bodentruppen erfolgen, sich auf die Gebiete Syriens und des Irak beschränken und ausschließlich gegen den IS gerichtet sein.
Nach der politischen Entscheidung folgte die praktische Umsetzung. Mithilfe einer Karte planten die Delegationen den Einsatz der Streitkräfte und legten fest, welche Staaten welche Truppen in welchen Regionen einsetzen würden. Dadurch wurde deutlich, wie eng politische Entscheidungen und militärische Planungen miteinander verknüpft sind.
Zum Abschluss reflektierten die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Jugendoffizier Dhany Sahm den Verlauf des Planspiels. Dabei wurden weitere Handlungsmöglichkeiten diskutiert, etwa die Einrichtung einer Flugverbotszone oder die Bildung einer internationalen Koalition zum Schutz der Zivilbevölkerung. Zudem stand die Frage im Mittelpunkt, wie realitätsnah die Simulation tatsächlich war. Die Teilnehmenden kamen zu der Erkenntnis, dass die Schwierigkeiten und Interessenkonflikte im Planspiel durchaus realistisch dargestellt wurden. Gleichzeitig wurde deutlich, dass politische Entscheidungen in der Wirklichkeit häufig noch wesentlich mehr Zeit in Anspruch nehmen und deutlich mehr Akteure sowie Interessen berücksichtigt werden müssen. Beispielsweise wurden wirtschaftliche Interessen in diesem eintägigen Planspiel kaum angesprochen.
Das Konfliktplanspiel bot den Schülerinnen und Schülern einen anschaulichen Einblick in die komplexen Zusammenhänge internationaler Politik. Durch die aktive Übernahme von Verantwortung, intensive Verhandlungen und die Suche nach tragfähigen Kompromissen wurde politische Bildung auf besonders lebendige Weise erfahrbar. Unser Kaspar-Zeuß-Gymnasium bedankt sich herzlich bei Jugendoffizier Dhany Sahm für die informative und abwechslungsreiche Durchführung dieses lehrreichen Projekttages.
Verena Zeuß
