von Christiane Hadzelek, 11b

Wie sieht eigentlich der Alltag in einer französischen Familie aus? Schmeckt das französische Essen wirklich so gut, wie man es sich vorstellt? Wie fühlt es sich an, plötzlich den ganzen Tag eine andere Sprache hören und sprechen zu müssen?
Diese Fragen und viele mehr stellten sich 33 Schülerinnen und Schüler der 9., 10. und 11. Jahrgangsstufe und fuhren deshalb im Rahmen des Frankreichaustauschs gemeinsam mit Frau Reber, Frau Grässle und Frau Schmidt für einige Tage in die Bretagne.
Am Donnerstag, den 19.03.2026, starteten wir in Kronach frühmorgens mit großer Vorfreude, jedoch auch etwas Nervosität. Unser Ziel war an diesem Tag allerdings noch nicht die Bretagne, sondern Reims, eine Stadt in der Region Champagne-Ardenne. Dort angekommen bezogen wir schnell unsere Zimmer in der Jugendherberge und liefen dann direkt in die Innenstadt. Nach etwas Zeit zur freien Verfügung, in der wir die vielen Gassen der Stadt bewunderten, erhielten wir im Rahmen einer Führung spannende Einblicke in die Geschichte wichtiger Orte der Stadt, insbesondere der als Krönungsort der französischen Könige berühmten Kathedrale Notre-Dame de Reims. Diese ist auch ein Grundstein für die deutsch-französische Freundschaft, da Charles de Gaulle und Konrad Adenauer hier im Jahr 1962 eine Versöhnungsmesse feierten. Mit einem leckeren Abendessen mit Galettes, Crêpes und einem traditionellen Diabolo in einer Crêperie endete unser erster Reisetag.

Am Freitag setzten wir die Reise in Richtung Bretagne fort, mit dem Ziel Saint-Brieuc, wo wir endlich auf unsere französischen Austauschpartner trafen. Herzlich wurden wir dann auch von deren Familien begrüßt, bei denen wir die Woche über wohnten.
Nach einem aufregenden Wochenende mit unseren Familien, das einige in Städten, z. B. Rennes, oder auch an den wunderschönen Stränden der Umgebung verbrachten, durften wir am Montag Vormittag am lycée Freyssinet in den französischen Unterricht hineinschnuppern und die Werkstätten der Schüler des lycée professionnel, die nebenan arbeiten, besichtigen. Anschließend fuhren wir nach Binic zur „Pêche à pied“, zum Strandfischen. Für die einen eher eklig, für die anderen umso faszinierender, wie die Schwertmuscheln senkrecht aus dem Sand kamen, sobald man Salz auf die Löcher gestreut hatte, weil sie dachten, das Meer sei nach der Ebbe zurückgekommen!
Am Dienstag stand dann ein gemeinsamer Ausflug aller deutschen und französischen Austauschteilnehmer an. Nach einer kurzen Erkundung Saint-Malos mit unseren französischen Partnern fuhren wir weiter zum Mont Saint-Michel und besichtigten dort gemeinsam die beeindruckende Abtei mit ihren vielen Räumen und ihrer labyrinthartigen Konstruktion.
Am Mittwoch war das Ziel, den Wochenmarkt im Zentrum von Saint-Brieuc zu erkunden. Dafür sollten wir in Zweierteams Fragen zu den dortigen Lebensmitteln wie saisonalem Obst und Gemüse beantworten. Natürlich gab es auch Austern. In einem netten Café machten wir anschließend eine Pause mit leckerem Gebäck und Getränken. Der Nachmittag, den wir wieder mit unseren Gastfamilien verbrachten, wurde von vielen dazu genutzt, noch einmal ein bisschen Zeit am Strand zu verbringen, die Stadt Saint-Brieuc mit ihren Fachwerkhäusern und kleinen Boutiquen noch besser kennenzulernen oder interessante Museen im Umland wie beispiels-weise das Musée de la Résistance über den französischen Widerstand gegen den National-sozialismus zu besuchen.
Am Donnerstag schauten wir uns die Ruinen der Abtei von Beauport an, bevor wir uns auf die Spuren der Islandfischer begaben: Nach einem Stopp im Hafenstädtchen Paimpol fuhren wir nach Ploubazlanec, wo uns bei einer Führung wichtige Gedenkorte zur Hochseefischerei vor den Küsten Islands im 19./20. Jh. vorgestellt und die Geschichte der armen Hochseefischer von Paimpol und Umgebung erklärt wurden. Wusstet ihr, dass diese oft 6 Monate lang fast ununterbrochen auf ihren Schiffen verbrachten?
Am Freitag, unserem letzten Tag in der Bretagne, besichtigten wir die Kapelle der Maison Saint-Yves in Saint-Brieuc, die vom Art Déco-Stil der 1920er und 1930er Jahre und speziellen bretonischen Elementen wie traditionellen Mosaiken oder Symbolen in den Glasfenstern geprägt ist, bevor wir uns dann leider auch schon von unseren Austauschpartnern verabschieden mussten.
So stiegen wir also mit einem lachenden und einem weinenden Auge in den Bus und stellten uns auf eine entspannte Heimfahrt ein. Doch es kam etwas anders als erwartet: Aufgrund einer Buspanne wurde uns nach einer ungeplanten, aber lustigen Pizzabestellung am Straßenrand noch eine Übernachtung in einer Jugendherberge und ein Tag in der lebendigen Innenstadt von Rouen geschenkt, den wir in Kaufhäusern, Cafés, dem Kunstmuseum mit Werken des Impressionismus und einer großen Vielfalt sonstiger Gemälde, einer Bibliothek und der Kathedrale (der höchsten von ganz Frankreich!) verbrachten. Am Ende dieses zusätzlichen, ungeplanten Reisetages in der Normandie, an dem wir alle gelernt haben, spontan das Beste aus einer anfangs blöden Situation zu machen, war die Freude riesig, als der Ersatzbus aus Deutschland ankam und wir endlich die restlichen 1000 km bis in die Heimat problemlos zurücklegen konnten. Mit 24 Stunden Verspätung kamen wir dann pünktlich zum Ferienstart gesund und glücklich zu Hause an.
Zusammengefasst war es eine sehr schöne Woche, in der wir neue Freundschaften knüpften, viele neue Orte entdeckten und unsere Sprachkenntnisse erweitern konnten. Besonders interessant war der Alltag in den Gastfamilien, der sich in vielen kleinen Dingen von zu Hause unterschied – etwa spätere Essenszeiten, mehrere Gänge beim Abendessen und die große Bedeutung gemeinsamer Mahlzeiten. À propos, das französische Essen überzeugte einige von uns durch seine Vielfalt und Qualität. Die Reise hat uns allen sehr viel Spaß gemacht und wir werden die Fahrt in positiver Erinnerung behalten.
Ein besonderer Dank gilt Frau Reber für die Organisation der Reise und dem Busunternehmen Schirmer, das uns trotz der Panne sicher in die Bretagne und wieder nach Hause gebracht hat!
Und wer weiß, vielleicht gibt es ja bei dem einen oder anderen ein Wiedersehen mit dem französischen Austauschpartner/ der französischen Austauschpartnerin!
Susanne Reber
